Was muss ich bei einer Vergesellschaftung beachten?

 

 

Die Vergesellschaftung / Zusammenführung von Kaninchen ist schwieriger, als man vielleicht anfangs denkt,  denn es muss einiges beachtet werden.

Vorweg sollte man sagen, dass in den meisten Fällen Männchen und Weibchen am "einfachsten" zu vergesellschaften sind.
Dies liegt daran, dass es von der Natur eben so gegeben ist.
Die Kaninchen sollten immer kastriert sein (vor allem die männlichen Kaninchen), so daß das Aggressionspotential schon vorab geringer gehalten wird.

                                                            Die Partnerwahl


Möglich sind alle Varianten wie z.B.

- Männchen und Weibchen (Männchen muss kastriert sein)
- Weibchen und Weibchen (auch hier kann es durch die Hormone sein, das eine Kastration von beiden unumgänglich ist)
- Männchen und Männchen (beide müssen unbedingt kastriert sein)
- Gruppenhaltung (auch hier alle Männchen kastrieren und evtl. müssen hier auch die Mädels kastriert werden).

Allerdings muss man immer damit rechnen, dass auch eine Vergesellschaftung scheitern kann und sollte sich einen
„Plan B“ zurechtlegen, für den Fall, daß die Zusammenführung scheitert.

                                               Neutraler Raum / neutrales Gehege

Die Vergesellschaftung sollte in einem Raum stattfinden wo vorher keines der Kaninchen schon einmal war, damit es nicht zu zusätzlichen Problemen kommt wie der Revierverteidigung.

Bitte die Zusammenführung der Kaninchen nicht in dem Zimmer machen, indem das vorhandene Kaninchen seinen Platz
hat oder die Gehege nebeneinander stellen, dies schürt Revierverhalten und kann eine Zusammenführung von Anfang
an schon erschweren.
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Vor der Zusammenführung sollten sich die Tiere weder sehen noch riechen können!

 

Die Kaninchen bitte nicht einfach zusammen in eine Transportbox oder einen Käfig stecken um mit ihnen durch die Gegend zu fahren oder gar in einer Dusche oder Badewanne vergesellschaften (ja, man liest wirklich die idiotischsten Sachen im Internet).


Bei der Käfig an Käfig Variante kann es passieren, dass sie sich durch die Gitter die Nase abbeißen oder schlimme Augenverletzungen zufügen mit den Pfoten/Krallen.

 

Durch die Enge und den Platzmangel können hier durch entstehende Panik schnell die Aggressionen hoch kochen und dann kann es zu schlimmen Beißereien kommen, die üble Verletzungen wie ein Stück Ohr abbeißen oder nicht mehr heilende Augenverletzungen hervorrufen.

 

Auch die Variante in der man die Kaninchen immer mal Stundenweise zusammen lässt ist nicht wirklich geeigent, da die Kaninchen so gezwungen sind die Rangordnung immer wieder aufs neue zu klären.

 
Anfangs rate ich zu keinen Gegenständen im Gehege, außer den Toiletten, Heuraufen und Futter- sowie Trinkschalen.

Man sollte den Untergrund mit Teppich oder Handtüchern auslegen, damit sie nicht rutschen können, denn auch das steigert evtl. die Angst und somit das Aggressionspotentioal der kleinen Langohren.


Erst nach dem dritten Tag, wenn man sieht das die Fellpuschel sich soweit gut vertragen, kann man nach und nach andere Versteckmöglichkeiten anbieten.

Ddiese sollten mindestens 2 Ausgänge haben, damit keines der Kaninchen in eine Ecke gedrängt werden kann.

Beispiel für ein Vergesellschaftungsgehege:


Die Zusammenführung von Kaninchen sollte man immer zu einem Zeitpunkt machen, wo man zu Hause ist, damit man die Zusammenführung überwachen kann. So kann man eingreifen, falls es zu schlimmeren Auseinandersetzung kommt oder schlimmstenfalls einen Tierarzt aufsuchen.

                                     Wie verläuft eine Zusammenführung?

In der Regel kommt es vor, dass die Kaninchen, sobald man sie zusammen in das neue Gehege setzt, aufeinander "los gehen" und Fellbüschel fliegen.  Kaninchen jagen sich, springen sich an und können während der Vergesellschaftung auch Urin verspritzen.

So klären Kaninchen die Rangordnung untereinander.


Wer zu schwache Nerven hat, der sollte sich evtl. Hilfe holen bei jemandem der sich bereits auskennt und schon Zusammenführungen gemacht hat oder seine Kaninchen sogar jemandem anvertrauen, der die Vergesellschaftung durchführt.

Kaninchen können unglaublich aggressiv vorgehen und wenn sie richtig beißen, dann gibt das auch echt schlimme und tiefe Wunden, daher muss eine Zusammenführung in den ersten 2-3 Tagen auch immer gut überwacht werden.
Die Kaninchen sollten auch immer wieder auf Wunden kontrolliert werden, damit man kleinere Wunden evtl. auch selbst behandeln kann und diese sich nicht entzünden oder gar zu einem Abszess führen.

Solange kein Blut „fließt“ und die Wunden nur oberflächlich sind, sollte man die Kaninchen nicht trennen, denn sie klären durch ihr Verhalten wie schon geschrieben, ihre Rangordnung.

Können sich die Kaninchen zu sehr aus dem Weg gehen, so sollte man darüber nachdenken, das Gehege evtl. etwas zu verkleinern, damit sich die Kaninchen leichter begegnen können. Man sollte ihnen aber mindestens 4m² Platz bieten können pro Kaninchenpärchen.

                              Wie klären Kaninchen ihre Rangordnung?


Die Rangordnung klären sie durch:

 

- ineinandere fest beißen
- gegenseitiges anspringen
- Fellflug (wenn Fell im Gehege liegt oder von den Kaninchen absteht, oder auch im Mund der Kaninchen zu finden ist als Fellbüschel)
- kleinere Schürfwunden
- gegenseitiges Jagen
- gegenseitiges berammeln
- gegenseitiges bespritzen mit Urin

All dies kann während einer Vergesellschaftung vorkommen, muss aber nicht unbedingt.
Es gibt in der Tat auch Kaninchen, die kommen recht schnell ohne große Probleme miteinander klar, dass sind aber meist eher die Ausnahmen.

                                Wie lange dauert eine Vergesellschaftung?


Eine Vergesellschaftung kann zwischen einer und zwei Wochen, aber auch ein paar Monaten dauern, das ist von Kaninchen zu Kaninchen verschieden und hängt sicher auch damit zusammen, wie viele Kaninchen vergesellschaftet werden.

Das heißt aber nicht, dass sie sich monatelang nur beißen.

In der Regel klappt es bei Pärchen oder eben zwei Kanichen auch besser und schneller als bei Gruppen. Jedoch gibt es auch hier immer wieder die berühmten Ausnahmen.

                                Wann ist eine Vergesellschaftung erfolgreich?

Eine Vergesellschaftung ist dann als erfolgreich anzusehen, wenn die Kaninchen ohne Stress

- zusammen fressen
- sich gegenseitig putzen
- zusammen liegen oder sogar kuscheln

 

Es kommt vor, dass Kaninchen das schon recht schnell oder nach zwei bis drei Tagen tun. Hiermit ist die Vergesellschaftung aber noch nicht wirklich abgeschlossen. Es dauert immer eine gewisse Zeit, bis die Rangordnung endgültig geklärt ist.


                                                              Das neue Gehege

Wenn die Vergesellschaftung abgeschlossen ist, dann kann man die Kaninchen zusammen in das neue Gehege setzen.

Dabei sollte man folgendes beachten:


- Gehege richtig reinigen (mit heißem Wasser und Essigessenz)
- Gehegeeinrichtung umstellen
- neue Gegenstände dazustellen

 

Wenn die Kaninchen in das neue Geheg umziehen, kann es noch einmal zu kleineren Auseinandersetzungen kommen. Daher sollte dies anfangs gut beobachtet werden.

Am besten wartet man auch hier mit der Gehegeeinrichtung ein paar Tage ab, bis die Kaninchen sich etwas an das neue Geheg gewöhnt haben.

Und man sollte immer darauf achten, dass Häuschen zwei Ein- und Ausgänge haben.



                         Wann ist eine Vergesellschaftung gescheitert?

Bei Bisswunden, die von einem Tierarzt behandelt werden müssen, sollte man überlegen, ob hier eine Vergesellschaftung tatsächlich Sinn macht für die Kaninchen.
Wobei Kaninchen an den Ohren zum Beispiel sehr empfindlich und auch leicht zu verletzten sind. Auch Augenverletzungen sind durch die Krallen leider schnell passiert.
Bisse im Gesicht sind allerdings ein no go!
Man sollte evtl. auch seinem eigenen Bauchgefühl etwas vertrauen.

 

Solle eine Vergesellschaftung im eigenen Heim gescheitert sein, so muss das jedoch noch nicht unbedingt heißen, dass die komplette Vergesellschaftung gescheitert ist.

Hier gäbe es noch die Möglichkeit, die Kaninchen in einem ihnen nicht bekannten Revier nach einer gewissen Zeit der Räumlichen Trennung erneut zu vergesellschaften.

 



Schlußwort:
So gut man es meint mit den Kaninchen, Fakt ist, dass diese ihre Revierkämpfe selbst austragen müssen und das man
als Mensch nicht wirklich viel Einfluss darauf hat, ob eine Vergesellschaftung erfolgreich verläuft oder aber scheitert.
Allerdings gehört schon eine Portion guter Nerven zu einer Vergesellschaftung, denn gerade Kaninchen sind zum
Zeitpunkt einer Vergesellschaftung so gar nicht niedlich und kuschelig, sonder teilweise sehr aggressiv und entwickeln sich zu kleinen Tyrannen.

Sollten aber Wunden auftreten die vom Tierharzt genäht oder getackert werden müssen etc., dann sollte man sich evtl. auch zum Wohl der Kaninchen dafür entscheiden, die Vergesellschaftung lieber abzubrechen und sich professionelle Hilfe holen oder gar eine neue Partnersuche starten.

Meist greift der Mensch zu schnell ein oder begeht Fehler und macht es den Kaninchen unnötig schwer die Vergesellschaftung erfolgreich abzuschließen.
Oft ist weniger auch mehr, soll heißen, lieber zwei Kaninchen die sich verstehen, als eine Gruppe in der es nur Unruhe gibt.




Für Rückfragen oder wenn Hilfe benötigt wird, stehe ich gerne zur Verfügung!