Kaninchen gelten in der Regel als sehr liebevolle und schmusebedürftige Tierchen.



Mit ihren niedlichen Gesichtern und den hübschen langen Ohren, kann man nur sehr schwer glauben, dass diese kleinen zierlichen Tierchen nicht nur andere Kaninchen oder andere Tiere, sondern auch Menschen arg verletzen können, wenn sie in Not geraten. Sei es durch falsche Haltung, Krankheit, Angst oder bei der Vergesellschaftung mit Artgenossen.
Aus genannten Gründen ist es auch falsch, dass Kaninchen genau die richtige Tierart für Kinder ist.
Kaninchen möchten zum Beispiel nicht hoch gehoben und auf dem Arm herum getragen werden.
Da Kaninchen keine Möglichkeiten haben, sich mit Lauten bemerkbar zu machen, leiden die meisten still, oder sie fangen an zu kratzen und zu beißen und werden dann als aggressiv eingestuft.

Wie entstehen Aggressionen bei einem Kaninchen?


- Einzelhaltung
- Zu wenig Platz
- Krankheiten
- Angst
- Stress
- Vergesellschaftung

Einzelhaltung bei Gruppentieren kann man als grausam beschreiben.



In der Natur leben Kaninchen in Familienverbänden zusammen.
Kaninchen brauchen soziale Kontakte und deren Kommunikation, da sie sehr viel schmusen, sich gegenseitig putzen, sich die Augen und Ohren gegenseitig säubern und auch mal gegenseitig den Blinddarmkot aufnehmen, falls einem der Kaninchen zum Beispiel Vitamine fehlen.

Diese Art von Sozialkontakt, kann nur ein anderes Kaninchen bieten. Kein anderes Tier oder ein Mensch kann dies ersetzen.
Durch das Fehlen der Kommunikation und der Wärme eines anderen Kaninchens können Verhaltensstörungen bei Kaninchen auftreten, wie auch Aggressionen, da hier ein sehr wichtiger Bestandteil ihres Wesens fehlt.

Nur weil ein Kaninchen keine deutlichen Anzeichen zeigt, heißt es nicht, dass es nicht einsam ist.
Der Unterschied ist erst deutlich sichtbar, wenn die Vergesellschaftung abgeschlossen ist und die Kaninchen harmonisch zusammenleben.



Kaninchen brauchen Raum.

Wenn man sich Kaninchen in der Natur ansieht, wie schnell sie sich bewegen, wie sie hüpfen und springen können, dann weiß man auch, dass unsere Hauskaninchen den gleichen Bedarf haben, sich ausreichend bewegen zu können. Käfige und Züchterboxen können diesem Drang nicht gerecht werden, da sie die Kaninchen in ihrer Natürlichkeit einschränken.




Man sagt pro Kaninchen mindestens 2m² Platz zur freien Verfügung auf einer Ebene. Je mehr Platz, desto besser.
Hier kann es zu Verhaltensstörungen kommen wie ständiges Klopfen der Hinterläufe, nagen am Holzkasten oder an den Gitterstäben sowie ständiges im Kreis laufen.
Aggressionen einem Partnertier gegenüber sind nicht selten, da sie sich nicht mal eine Weile aus dem Weg gehen können, sondern gezwungen sind, auf engstem Raum zusammen zu leben.
Platzmangel kann auch dazu führen, dass Kaninchen ihr Revier extrem verteidigen und ihren Besitzer beißen, sobald dieser die Hand in die Box oder den Käfig steckt.
Einsamkeit kann extremen Frust bei Kaninchen hervorrufen und sich durch Angreifen des Besitzers bemerkbar machen.

Kranke Kaninchen brauchen Hilfe.



Kaninchen sind von Natur aus in der Lage, Krankheiten sehr lange zu verbergen, bis es ihnen dann so schlecht geht, dass jede Hilfe schon fast zu spät sein kann.
Gerade in der freien Wildbahn fallen sie dann Freßfeinden wie Mardern und Füchsen oder auch Greifvögeln zum Opfer, da sie krankheitsbedingt nicht mehr so gut reagieren können, um sich in Sicherheit zu bringen.
Auch unsere Hauskaninchen besitzen diese Überlebensinstinkte.



Daher muss man seine Kaninchen immer gut beobachten und darauf achten, dass sie ausreichend Nahrung zu sich nehmen und Kot absetzen.
Weiter können Kaninchen durch Unwohlsein und Schmerzen verschiedene Verhaltensauffälligkeiten zeigen wie zum Beispiel:

- Mit den Zähnen knirschen
- Popo auf den Boden drücken
- Fressunlust
- Heftigeres Atmen
- Bewegungsunlust
- Knurren
- Jagen des Partners
- Beißen

Jedes Kaninchen verhält sich im Krankheitsfall anders. Während die einen sich aggressiv verhalten, sitzen die anderen in sich zusammen gekauert in einer Ecke. Manchmal werden kranke Kaninchen sogar in der Gruppe oder vom Partner gemobbt.
Wenn man das Gefühl hat, dass es einem Kaninchen nicht gut geht, empfiehlt es sich immer, sofort einen erfahrenen Tierarzt aufzusuchen. Je schneller gehandelt wird, umso schneller kann man dem Kaninchen helfen und die Überlebenschancen steigern.
Wenn Rammler nicht kastriert sind und zusammen leben, kann es hier nicht nur zu Urin verspritzen und ungewollter Schwangerschaft kommen (sofern Weibchen in der Gruppe leben), sonder auch zu extrem schlimmen Verletzungen untereinander. Männliche Kaninchen müssen immer kastriert werden!
Häsinnen leiden unter Umständen unter extremen Hormonschwankungen und können an Gebärmutterkrebs erkranken, wenn nicht rechtzeitig kastriert wird.
Sind sie ständig einem unkastrierten Partner ausgesetzt, der sie bedrängt und besteigt oder muss eine Häsin ständige Nachwuchs produzieren, so kann dies eine Häsin extrem unter Stress setzen.
Wenn die Häsinnen nicht behandelt werden, wird sich mit der Zeit auch hier mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Aggression entwickeln. Ggleiches gilt für unkastrierte Rammler.

Angst wird bei Kaninchen oft mit Aggressivität verwechselt.

Kaninchen, die Angst haben oder unsicher sind, zeigen dies entweder durch extremes Zurückziehen und Anlegen der Ohren oder aber durch Angreifen und Beißen sowie Ohren nach vorne stellen. Oft knurren sie während eines Angriffs.
Kein Kaninchen ist von Natur aus böse. Kommt ein Kaninchen aber in Bedrängnis und weiß sich nicht anders zu helfen, kommt es vor, dass es den Besitzer beißt oder auch das Partnertier.
Die Angst kann durch viele Faktoren ausgelöst werden. Falsche Haltung, Misshandlung, Einzelhaltung, Angst vor anderen Tieren durch fehlende Sozialisierung, laute Geräusche und vieles mehr.
Steht ein Kaninchen extrem unter Stress durch eine Krankheit oder weil sie ständig Nachwuchs produzieren muss oder sich in einer Gruppe unwohl fühlt etc., führt dies früher oder später zu Verhaltensauffälligkeiten, die in Aggressionen umschlagen können.

Die Vergesellschaftung von Kaninchen wird oft falsch interpretiert.

Wir Menschen sehen die Vergesellschaftung aus unserer Sicht und nicht aus derer von Kaninchen. Daher sieht das für uns auch unglaublich aggressiv aus. In vielen Fällen ist es aber gar nicht so tragisch, wie wir das interpretieren.
Wenn man einander fremde Kaninchen zusammen setzt, auf neutralem Boden, dann fliegen in der Regel schnell Fellbüschel durch das Gehege, die Kaninchen springen sich an, beißen sich fest und spätestens hier wird klar, dass die kleinen süßen Puschelhasen zu kleinen Tyrannen untereinander werden können.
In der Regel verschwindet dieses Verhalten wieder, wenn die Vergesellschaftung abgeschlossen ist und die Kaninchen zum Partnertier oder der Gruppe passen.
Ist dies nicht der Fall, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit immer wieder zu Problemen kommen.


Kann Aggressivität therapiert werden?

In jedem Fall!

Es gibt sicherlich nur ganz wenige Ausnahmen.

Eine artgerechte Unterbringung von Kaninchen mit genügend Platz und mindestens einem Partnertier sowie ein liebevoller Umgang mit den Kaninchen führt mit etwas Zeit und Geduld auch wieder zu normalem Verhalten gegenüber ihren Besitzern.
Kaninchen, die wegen Schmerzen behandelt werden und bei denen die Ursache der Krankheit behandelt wird, legen in der Regel eine vorhandene Aggressivität auch wieder von selbst ab.

Bei Kaninchen, die aus Angst beißen oder angreifen, bei denen dauert es in der Regel etwas länger. Diese haben oft schlechte Erfahrungen gemacht und somit braucht man hier viel Geduld und Liebe für die kleinen Langohren.

Es kann allerdings sein, dass man bei solchen Kaninchen keinen Schmusehasen bekommt, was in meinen Augen aber auch nicht wirklich wichtig ist.



Mehr zum Thema Verhaltensstörungen bei Kaninchen und wie man diese therapieren kann.


Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.



Kaninchenraum im Februar 2015