Kann man Katzen erziehen?

 

 

Oft hört man den Satz "Katzen kann man doch nicht erziehen! Die machen eh, was sie wollen!"

Das ist einerseits totaler Quatsch und gleichzeitig durchaus auch wahr. Fakt ist, die Erziehung von Katzen kann eine Bewährungsprobe für jeden Katzenhalter sein.

                                                              Katzen als Haustiere?

Die Katze gilt als klassisches Haustier. Warum eigentlich? Im Gegensatz zu fast allen anderen Tieren, die schon vor langer Zeit vom Menschen domestiziert wurden, war es die Katze selbst, die sich ihm irgendwann anschloss. Vor einigen Tausend Jahren haben die Falbkatzen (von denen all unsere Haus- und Rassekatzen abstammen) festgestellt, dass sie in den Kornspeichern und Lagergebäuden der Menschen schnelle Beute machen konnten. Deswegen zog es mehr und mehr Tiere in menschliche Siedlungen.

Wirklich gezähmt wurde die Katze nicht und von einer gezielten Zucht spricht man erst seit etwa 150 Jahren. Und wer schon einmal auf einem Bauernhof junge Kätzchen gesehen, die nicht im Haus sondern in der Scheune leben, der weiß, wie dicht jeder unserer Stubentiger am wilden freien Leben ist.

                                          Das Zusammenleben mit der Katze

Das freie selbstbestimmte Leben, das wir ja an unseren kätzischen Mitbewohnern schätzen, bedeutet natürlich auch, dass die Katze für ein harmonisches Zusammenleben mit ihrem Menschen einige Kompromisse eingehen muss.

Wildlebende Katzen haben ein Revier, in dem sich Schlaf-, Fress-, Markierplätze und solche Plätze befinden, die sie sich revierüberlappend mit anderen Katzen teilen. Die meiste Zeit des Tages verbringen sie mit der Nahrungssuche und der Pflege ihrer sozialen Kontakte.

Wie viel davon können wir ihr in der Wohnung bieten? Das Harnmarkieren zum Beispiel, das selbstbewussten Katzen als Revierbegrenzung und eher unsicheren Katzen als Sicherheit (umgeben mit dem eigenen Geruch) dient, wollen wir in der Wohnung eher nicht. Das Kratzen, das nicht nur dem "Schärfen" der Krallen sondern auch der sichtbaren (und über bestimmte Drüsen in den Pfoten) riechbaren Revierbegrenzung dient, wollen wir auch weder an der Tapete oder an den Möbeln haben. Und das Futter? Kommt pünktlich aus der Dose oder Trockenfuttertüte.

Bevor man also seine Katzen erziehen kann, muss man ihnen ein möglichst artgerecht Leben bieten - geschützte Schlaf- und Ruheplätze, Kratz- und Klettergelegenheiten, viel Spiel und spannende Beschäftigung für Körper und Geist. Wenn das nicht gewährleistet ist, macht die Katzenerziehung wenig Sinn.

                                                        Wie lernen Katzen?

Wie alle intelligenten Tiere lernen Katzen, indem sie bestimmte Ursachen mit bestimmten Wirkungen verknüpfen bzw. assoziieren.

Beispiel: Eine Katze sitzt auf der Wiese, zufällig vor einem Mauseloch. Auf einmal springt eine Maus heraus, die von der Katze gefangen wird. Die Katze lernt

"Loch im Boden" = Leckerbissen.

Katzen lernen aber auch durch Beobachtung und Nachahmung. Insbesondere in der wichtigen Prägephase, also den ersten drei Lebensmonaten, lernen Katzenkinder durch Beobachten ihrer Mutter und Geschwister die wichtigsten Regeln für das Katzenleben, insbesondere lernen sie soziales Verhalten, Grenzen akzeptieren und viele andere Dinge.

                                         Was heißt das für die Katzenerziehung?

Bei jedem Erziehungsversuch muss Mensch sich klar machen, dass er eine Katze vor sich hat, ein hochintelligentes Tier mit ausgeprägten eigenen Bedürfnissen, und keinen kleinen Menschen im Pelz! Katzen springen nicht auf den Tisch, kratzen nicht an der Wand oder pimkeln in die Ecke, weil sie uns ärgern oder provozieren wollen. Die meisten Unarten, die wir bei unseren kätzischen Lebensgefährten beklagen, haben wir ihnen selbst beigebracht! (dazu gleich mehr)

Grundsätzlich gilt: Positive Verstärkung statt Strafe!!!

Katzen führen eine Handlung, die zu einem Erfolg geführt hat, immer wieder aus.

Beispiel: Eine Katze, die einmal ein Stück Fleisch auf der Küchenarbeitsplatte ergattert hat, wird dort immer wieder nachsehen, ob sich nicht wieder was findet.

Unter anderem aufgrund ihres Jagdverhaltens (Katzen sind Ansitz- bzw. Lauerjäger) behalten Katzen die Handlungen am hartnäckigsten bei, die unregelmäßig bzw. zufällig zum Erfolg führen. So ähnlich wie Menschen, die einmal an der Losbude gewonnen haben, immer wieder Lose kaufen, weil: "irgendwann muss es ja wieder klappen".

Beispiel: Wenn der Katzenhalter einmal nachts genervt aufgestanden ist, um eine Spielstunde einzulegen, weil er das Gejaule nicht ertragen hat, wird die Katze in den nachfolgenden Nächten umso hartnäckiger Jaulen.

Und gerade weil Katzen so hartnäckig und viel konsequenter in ihrem Verhalten sind als wir, müssen wir umdenken.

                                          Tipps und Tricks zur Katzenerziehung

1. Es ist viel leichter, einer Katze etwas beizubringen, was sie tun soll, als ihr etwas zu verbieten.

Wenn man einer Katze beispielsweise beibringen will, dass sie nicht am Sofa kratzen soll, dann gelingt das am schnellsten, indem man:

a) genug alternative Kratzstellen anbietet und
b) die Katze, rechtzeitig bevor sie ihre Krallen in die Couch schlägt, anspricht und mit der Katzenangel zum Kratzbaum lockt.

Kurz zusammengefasst: Unerwünschte Verhaltensweisen werden unterbunden, indem man der Katze rechtzeitig eine Alternative anbietet.

                             2. Erwünschtes Verhalten immer bestärken

Eines der Grundprobleme jeder Erziehung: Wenn etwas unerwünschtes getan wird, schimpft man schnell mal los. Aber wer hat seine Katze schonmal dafür gelobt, dass sie nicht auf den Tisch springt? Vor allem, wenn man eine Handlung der Katze wie oben beschrieben umgelenkt hat, muss sie für ein entsprechend erwünschtes Verhalten bestärkt und gelobt werden. Kratzt die Katze im obigen Beispiel also am Kratzbaum, dann sollte man das ordentlich feiern.

Katzen zu belohnen ist nicht immer einfach. Im Gegensatz zu Hunden leben sie nicht in festen hierarchisch strukturierten Sozialverbänden. Einen Hund zu loben hat meist einen größeren Effekt, als einer Katze zu sagen, dass sie das toll macht. Wenn die eigene Katze nicht auf Lob anspricht, dann vielleicht auf Streicheleinheiten? Oder ein besonderes Leckerli, das sie sonst nie bekommt? Oder ein Spiel mit ihrem Lieblingsspielzeug?

Letztlich findet jeder etwas, das für seine Katze der "Jackpot" ist.

                                                   3. Der Trick mit dem Click

Ein wunderbares Mittel der Katzenerziehung kann das Clickertraining sein. Dabei lernen die Katzen, ein bestimmtes Geräusch (das kann das ein- und ausschalten eines Kugelschreibers oder eben auch ein handelsüblicher Clicker sein) mit einem positiven Erlebnis, nämlich einem Leckerli, zu verbinden.

Der erste Lernschritt ist also: „Click“ – „Leckerli“ - „Click“ – „Leckerli“ - „Click“ – „Leckerli“ - „Click“ – „Leckerli“ - „Click“ – „Leckerli“ - „Click“ – „Leckerli“ - „Click“ – „Leckerli“.

Danach kann man mit Hilfe des „CLICK“ die Katze punktgenau für erwünschtes Verhalten belohnen. Der Vorteil dieser Erziehungsweise ist zum einen, dass die Katze allein durch positive Verstärkung lernt (unerwünschtes Verhalten wird einfach nicht belohnt und damit nicht wiederholt). Zum anderen bringt man seiner Katze auf diese Art bei, dass sie ihr Köpfchen nutzen muss, um an eine Belohnung zu kommen.

Ein Beispiel (Voraussetzung ist natürlich, dass die Katze das „Click“ kapiert hat!):

Man stellt einen Karton in die Zimmermitte und setzt sich ruhig auf die Couch. Die Katze wird sich dem Karton nähern und ihn beschnuppern. Click. Die Katze wird sich durch diese positive Verstärkung dem Karton weiter nähern, ihn vielleicht mit der Vorderpfote berühren. Click. Nach und nach kann man die Schwierigkeit erhöhen und so der Katze zum Beispiel beibringen, dass sie den Karton mit der Pfote umwirft (passiert ja irgendwann unweigerlich) und sich hineinsetzt. Im nächsten Schritt kann man das Ganze noch mit einem passenden Kommando (witzig zum Beispiel „Deckung!“) verbinden.

Viele Katzen lassen sich begeistert clickern und so auch nahezu stressfrei erziehen!

                                            4. Verbote müssen sinnvoll sein.

Natürlich lernen Katzen, Verbote zu respektieren. Aber gerade wenn man reine Wohnungskatzen hält, muss man sich darüber bewusst sein, dass jeder verbotene Ort eine weitere Einschränkung ihres Lebensraumes darstellt. Das gilt besonders für erhöhte und daher bei der Katze begehrte Plätze. Deswegen sollte man immer bewusst darüber nachdenken, warum man ein Verbot in Kraft setzen will: Bei einer potienziellen Gefährdung der Katze macht es ganz klar Sinn. Ebenso immer dann, wenn das freie Leben der Katze die eigene Bewegungsfreiheit einschränkt. Schwierig ist es zum Beispiel, einer Katze das Sitzen auf einem neuen Tisch zu verbieten, wenn sie den alten immer als Sitzplatz benutzt hat. Wenn das verbot hier "nur" den Sinn hat, neue Möbel zu schonen, sollte man über die Sinnhaftigkeit nochmal nachdenken!

                                                   5. Es gibt keine Ausnahmen!

Wenn man sicher für verbotene Zonen entschieden hat (und spätestens beim gedeckten Esstisch hört die Freundschaft auf), dann muss man sie konsequent und ausnahmslos durchsetzen. das kann zum Beispiel bedeuten, dass man die Katze tausendmal sanft vom Tisch setzt, weil sie immer wieder drauf springt. Wenn man vorher schon weiß - dazu hab ich keine Lust oder keine Kraft - dann sollte man überdenken, wie sinnvoll das Verbot sein kann. Man kann einer Katze auch nicht (oder zumindest nur äußerst selten) beibringen, dass sie irgendetwas manchmal darf und manchmal nicht. Katzen sind da ganz einfach gestrickt: "Ja" heißt "Ja", "Nein" heißt "Nein" und "vielleicht" heißt "Ja".

                                                    "NEIN!" - ein wichtiges Wort

Katzen sind unglaublich gute Beobachter. Wer mit seiner Katze intensiv zusammenlebt, kann in ihrer Körpersprache und Mimik lesen, Katzen können das andersherum auch sehr gut. Deswegen ist es gar nicht schwer, ihnen das Wort "NEIN!" als Abbruchsignal beizubringen.

Damit beginnt man am besten bereits im Kittenalter. Kleine Kätzchen raufen gern und wenn sie gut sozialisiert sind, tun sie das auch mit ihrem Menschen. Menschliche Haut ist aber um einiges dünner als das Fell der Katzenkumpel. Wenn man also mit seinem Kätzchen spielt und es zu grob wird, genügt meist ein etwas harsch gequiektes "nein" und die Miez unterbricht verdutzt ihr Spiel - voila - schon hat sie ein wichtiges Wort gelernt.

Bei "schwereren" Fällen hilft es, die Hand weg zunehmen, sich wegzudrehen und somit das Spiel kurz zu beenden. (Auch hier das NEIN nicht vergessen). Und wenn das immer noch nicht ausreicht, kann man der kleinen Kampfmiez leicht ins Gesicht pusten. das imitiert den Luftzug beim Fauchen.

Wichtig ist auch hier: Konsequenz muss sein. Wenn ich also etwas nicht will, dann muss ich mein NEIN auch einige Male durchsetzen („einige Male“ kann bei hartnäckigen Katzen auch „einige hundert Male“ bedeuten!). Wenn man das gut geübt hat, braucht man später meist nur noch das wichtige Wort sagen, um die Katze von einer bestimmten Handlung abzubringen.

                                                                   Strafe muss sein?

Prinzipiell bin ich davon überzeugt, dass Tiere bei einer gewaltlosen Erziehung mehr oder schneller lernen als bei einer gewaltvollen. Bei Hunden beispielsweise kann man durch Druck zwar durchaus etwas erreichen, denn diese Tiere sind auf enge soziale Bindungen angewiesen und lassen sich dann eher im wahrsten Sinne des Wortes unterdrücken. Natürlich leidet auch hier die Vertrauensbeziehung zwischen Tier und Mensch, zudem halte ich solche Art der „Erziehung“ schlicht für Tierquälerei. Katzen weichen dem Druck viel stärker aus, werden misstrauisch und meiden den Menschen, mit dem sie eine negative Erfahrung verbinden.

Natürlich: Katzenmütter sind oft recht grob zu ihren Jungen, wenn sie ihnen etwas beibringen. Aber die Größe und Kraft einer Katzenmutter steht in einer völlig anderen Relation zur Größe und Kraft der Kitten als ein Mensch! Stellt euch mal vor, ein 25 Meter großer und zwei Tonnen schwerer Riese gibt euch eine Kopfnuss. Das ist überhaupt nicht mit einer Rangelei unter (nahezu) Gleichgroßen vergleichbar!

Katzen lernen am besten durch positive Verstärkung. Aber natürlich lernen sie auch aus unangenehmen Erfahrungen. Vor allem lernen sie dabei jedoch, die unangenehme Situation zu meiden. Genau das will man doch aber mit der Erziehung von Katzen gerade nicht erreichen!

Viel sinnvoller als die alten Märchen mit der aufgerollten Zeitung oder ähnlichem ist es dann schon, wenn man (aber nur wenn es wirklich notwendig ist!!!) anonyme Strafen nutzt. Also zum Beispiel die Sofaecke, an der die Katze immer wieder verbotenerweise kratzt, mit doppelseitigem Klebeband beklebt. Die Katze findet dieses klebrige Material nämlich ausgesprochen unangenehm und gar nicht zum Kratzen geeignet.

Außerdem kann man beispielsweise auf der Küchenzeile, auf die Miez nicht springen soll, Alufolie befestigen. Das ist nicht nur angenehm an die Pfoten sondern auch ganz fies für die sensiblen Ohren.

Noch ein Wort zur vielfach beliebten Wasserspritze: Ich persönlich würde sie nur einsetzen, um die Katze von Dingen abzuhalten, die ihre Gesundheit oder gar ihr Leben gefährden. Das hat einen guten Grund: Viele Katzen mögen kein Wasser, es stellt für sie durchaus mehr als eine einfache Unannehmlichkeit dar. Wenn man einen wasserscheuen Stubentiger hat, dann kann der Einsatz eines Wasserstrahls eine sehr effektive Strafe sein. Manche Katzen reagieren fast schon panisch darauf. Und so etwas sollte man seinen Tieren nur zumuten, wenn es auch einen ernstzunehmenden Grund dafür gibt. Auch dabei ist zu beachten, dass die Katze die Strafe nur mit der unerwünschten Situation bzw. dem unerwünschten Verhalten in Verbindung bringen darf und keinesfalls mit ihrem Menschen!!!

Im Übrigen gibt es viele, viele Katzen, denen Wasser gar nichts ausmacht, die es sogar lieben, im Wasser zu angeln und damit zu spielen.

Deswegen ist die wichtigste Grundlage jeder Katzenerziehung, dass man sein Tier kennen muss. Man muss wissen, welchen Charakter das Tier hat, ob es unsicher oder ängstlich ist. Deswegen bitte auch alle Tipps und Tricks in diesem Beitrag erst auf ihre Passfähigkeit für die eigene Katzen überprüfen!!!

 

 

 

Danke an CG für die freundliche Leihgabe des Artikels.


Für Kaninchen   in Not, die