Katzen sind Raubtiere. Und zwar ziemlich erfolgreiche! Es gibt Studien, die davon ausgehen, dass (pro Kopf gerechnet) die Hauskatze mehr Beute macht als alle anderen einheimischen Räuber.

           Was macht unsere süßen Schmusetiger aber so erfolgreich?

Die Vorfahren unserer Hauskatzen waren reine Fleischfresser. Das hat sich (übrigens im Gegensatz zum Hund) bei der Katze durch die Domestizierung nicht geändert. In der freien Natur aber kann man Fleisch nicht einfach im Restaurant bestellen oder im Supermarkt kaufen. Natürlich - ab und an liegt Fleisch schon tot herum, aber oft riecht es dann nicht mehr so gut, liegt schon zu lange o. ä. Und wir wissen ja, dass Katzen bei der Wahl ihres Futters durchaus wählerisch ist...

Damit die Katze also an frisches Fleisch gelangen kann, hat die Natur sie einerseits mit den perfekten Waffen ausgestattet: ein geschmeidiger Körper, ein (rudimentäres) Schlüsselbein, dass ihner ermöglicht, mit der Pfote seitwärts auszuholen, zurückziehbare Krallen, Pfoten, mit denen sie nicht nur laufen sondern auch greifen können, nach vorn gerichtete Augen, die räumliches Sehen und damit das Abschätzen von Entfernungen ermöglichen, ein extrem gutes Hörvermögen und nicht zuletzt die Schnurrhaare und das Gebiss.

Aber ein zum Jagen ausgerüsteter Körper allein reicht nicht aus. Die Natur hat die Katze außerdem mit den notwendigen Verhaltensweisen und Instinkten, den entsprechenden starken Antrieben, diese auszuleben, und einer großen Portion Neugier ausgestattet.

                         Was bedeutet das nun für die Katzenhaltung?

Zunächst muss man wissen, dass der Antrieb, die für die Jagd erforderlichen Verhaltensweisen auszuleben, weder durch den Erfolg bzw. Misserfolg der Jagd noch durch Hungerm oder Sattsein-Gefühle beeinflusst werden. Im Umkehrschluss haben eben auch Katzen, die stets satt sind, kein Revier zu verteidigen haben und auch keine (oder kaum) soziale Kontakte pflegen müssen, die Antriebe in sich, diese Verhaltensweisen auszuleben.

Hat die Katze dazu keine Möglichkeit, weil ihr Umfeld ihr einfach keine entsprechenden Reize liefert, so wird sie früher oder später verkümmern und Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Dazu gehören übrigens zum Beispiel schon die Katzen, die fast den ganzen Tag herumliegen und als einzige Abwechslung ihren Futternapf aufsuchen.

Katzen in freier Natur verbringen den Tag damit, ihr Revier abzugehen, Markierungen zu erneuern, sich veränderte Gegebenheiten in ihrem Revier anzusehen und zu eigen zu machen und eben zu jagen.

Diese Verhaltensweisen muss die Katze auch in der Wohnung ausleben können.

                                          Das Katzenrevier in der Wohnung

Die Größe der Katzenwohnung ist für ihr Wohlbefinden weniger entscheidend als seine Einrichtung. Neben ausreichenden Kratzmöglichkeiten sind es vor allem Nischen, Ecken, dunkle Gänge und Schlupflöcher, gemütliche Liegeplätze, Aussichtsplätze in verschiedenen Höhen und die Fensterplätze die eine Wohung katzengerecht machen. Dazu noch einige Wasserstellen und immer mal eine aufregende neue Sache aus der großen weiten Welt (ein Karton aus dem Supermarkt, ein Stein vom Wegserand, ein paar Kastanien oder Blätter, aber zum Beispiel auch eine Waschbetonplatte aus dem Baumarkt, ein Ziegelstein, ein Stück Rinde oder Kork, der Inhalt eines Shredders, bunte Papierschlangen etc.) bringen Spannung und neue Erfahrungen ins Katzenleben.

                                                             Spielen mit der Katz

Das typische Jagdverhalten der Katze besteht aus folgenden Verhaltensweisen:

- Beschleichen
- Belauern
- Jagen
- Anspringen
- Heranangeln
- Zupacken
- Umhertragen
(-Töten, Rupfen, Fressen)

Diese Verhaltensweisen gilt es nun herauszufordern. Wichtig ist dabei, dass die Katze beim Spiel Erfolge hat. Gerade wenn sie zum Beispiel schon eine Weile des Tages am Fenster gesessen und Vögel beobachtet hat, ist es wichtig, dass die Katze die dabei erlebte Frustration (schließlich bleiben die Vögel unerreichbar) abreagieren kann.

Zunächst gilt es, geeignete Spielobjekte zu finden. Dabei macht es durchaus Sinn, sich an den natürlichen Beutetieren zu orientieren. Nur wenige Katzen mögen große, bunte und laute Spielzeuge - welche Maus renn schon kunterbunt klingelnd über die Wiese? Auch die allgegenwärtigen Aufziehmäuse lassen die meisten Katzen kalt - sie sind eben einfach zu laut und bewegen sich eben auch zu eintönig.
Passendes Katzenspielzeug sollte also etwa mausgroß sein, sich mit den Krallen greifen und auch herumtragen lassen. Oft lassen sich aus einfachen Haushaltsgegenständen die besten Katzenspielzeuge gewinnen. Neben mausartigen Spielzeugen werden auch vogelartige, insektenartige oder auch eidechsen- bzw. schlangenartige Spielzeuge gern genommen - eben all jene, die der natürlichen Beute der Katze ähneln.

Manchen Katzen genügt es, ein Spielzeug hingeworfen zu bekommen, sie beschäftigen sich dann selbst damit.
Das ähnelt dann dem sogenannten Stauungsspiel, dass Katzen oft mit toter Beute betreiben und zwar offenbar immer dann, wenn es besonders schwer war, diese Beute zu erlegen. Das im Körper aufgebaute Adrenalin muss dann irgendwie abgebaut werden.



Viel schöner ist für die meisten Katzen allerdings das gemeinsame Spiel mit ihrem Menschen. Dabei gilt es, einige Grundregeln zu beachten, damit das Spiel auch seinen Sinn erfüllt:

Eine gute Spieleinheit dauert mindestens 15 Minuten. Alles, was zeitlich darunter liegt, führt zu Frustration- die Katze hat sich gerade erst warm gemacht und wird nun unausgelastet zurückgelassen. Also besser zwei, dreimal am Tag 15 Minuten spielen als einmal eine Stunde. Denn die Katze darf auch nicht überfordert werden. Sie soll sich auspowern aber eben auch nicht überanstrengen.

Die Katze muss Erfolg haben. Insbesondere bei schnellen Jagd- und Rennspielen, die für Wohnungskatzen sehr wichtig sind, muss die Katze die Beute auch mal erreichen können. Besonders am Ende der Spielstunde sollte man - wenn die Katze das will - die Beute ihr eine Zeit lang überlassen, damit sie darauf herumkauen, sie herumtragen und schütteln kann.

Was der Katze Spaß macht, kann für den Menschen langweilig sein. Ein ganz wesentlicher Teil des Jagdverhaltens der Katze besteht darin, auf die Beute zu lauern und sie dann zu beobachten. Für die Katze ist es also schon ein Bestandteil des Spiels, wenn sie die Katzenangel, Spielmaus oder was auch immer beobachtet, ihre Bewegungen mit den Augen verfolgt oder ihr nachschleicht.

Das Spielzeug muss sich wie die Beute "benehmen". Letzte wichtige Regel. Beim Spiel mit der Katze muss man sich in die Rolle der Beute versetzen. Die Maus latscht ja auch nicht auf die Katze zu, der Vogel fliegt ihr nicht ins Maul. Stattdessen versuchen die "Opfer", sich zu verstecken, flitzen vielleicht mal unter die Couch oder unter einen Teppich. Dort lassen sie sich wieder herausangeln und verfolgen.


Genauso spannend ist es, wenn sich die Katze irgendwo versteckt hält (zum Beispiel unter einem Stuhl, auf dem eine bis zum Boden reichende Decke liegt. Das unbedarfte Mäuschen wandert nun ahnungslos an diesem Versteck vorbei, bis eine Pfote herausschnellt und es packt.


                                                                         Spielideen

Manche Katzen angeln gern. Ein Behältnis mit Wasser füllen, ein Stück Kork schwimmen lassen, auf dem ein Leckerchen liegt - fertig ist der Wasserspaß. Man kann auch die Badewanne ca. zwei Zentimeter tief mit Wasser füllen, einen Wäschekorb umgekehrt hineinstellen und ein paar Tischtennisbälle schwimmen lassen. Der Wäschekorb dient dann als wunderbarer Angelplatz.

Ein Bällchen in der Duschkabine flitzt herrlich hin und her und lädt zum Jagen ein.

Jegliche Art von Intelligenzspielzeug, Katzentrainern und Futterbällen machen aus langweiligem Trockenfutter oder Trockenfleisch eine interessante Jagdbeute und die Katze muss ihren Kopf einsetzen.

Ein Karton gefüllt mit Heu, Papierschnipseln oder ähnlichem ist ein herrliches Leckerliversteck und auch ein schöner Schlafplatz.

Leere Eierkartons eignen sich ebenfalls sehr gut als Versteck für Leckerli und Co.

 

 

 

 

Danke an CG für die freundliche Leihgabe des Artikels.


Für Kaninchen   in Not, die