Hier mal anhand kurzer Geschichten, das Verhalten von Kaninchen mit unterschiedlichen Leidensgeschichten.

Abraxa

 


Abraxa wurde in einem Tierheim abgegeben (wahrscheinlich war sie viele Jahre bei einem Züchter als Zuchthäsin, da sie eine Tätowierung im Ohr hatte).
Dort konnte/durfte sie keiner anfassen, da sie jeden biss, der ihr zu nahe kam.
Sie wurde mit einem Netz gefangen, wenn man das Gehege sauber gemacht hat, da sie ansonsten auf jeden los ging.

Sie kam dann über den Kaninchenschutz e.V. nach Karlsruhe in eine Pflegestelle.
Dort bekam sie ein eigenes Gehege im Wohnzimmer und man beschäftigte sich täglich mit ihr.

Nach ein paar Tagen, durfte die Pflegemama sie sogar anfassen, wie dieses Video beweist:

 

 

Nach zwei Wochen Eingewöhnung, wurde sie einem Tierarzt vorgestellt, der durch Röntgen Metastasen in der Lunge diagnostizierte.

Die Lebenserwartung sei eher gering bei dieser Krankheit.

Sie lag am nächsten Tag tot in ihrem Gehege, als die Pflegemama nach Hause kam.

Hier schien also die Krankheit und die Schmerzen der Auslöser für die Aggression gewesen zu sein.

FIONA


Fiona kam über eine Pflegestelle des Kaninchenschutz e.V. zur Pflegestelle in Karlsruhe.
Sie war sehr ängstlich und wollte sich in keinster Weise anfassen lassen.
Wenn man ihr zu nah kam, dann fiepte sie sogar aus Angst.
Nahm man sie hoch (um etwa das Fell zu kontrollieren etc.), wurde sie ganz steif vor Angst.
Sie war ansonsten sehr ruhig und zurückgezogen und wollte mit Menschen nichts zu tun haben.

Vermutlich durch die Krankheit E.c. behielt sie eine ganz leichte Kopfschiefhaltung und ein blindes Auge zurück, was ihr das Sehen erschwerte. Daher nähert man sich ihr am besten von der Seite, auf der sie noch sehen kann.

Fiona wurde in ein tolles zu Hause vermittelt mir genügend Platz und einem Partner an ihrer Seite.
Seither kommt sie mit aus dem Gehege raus und erkundet mit ihrem Partnertier zusammen die Wohnung.
Ab und an lässt sie sich sogar streicheln.
Sie hat durch ihren neuen Partner Stoppel unglaubliche Fortschritte in ihrem Verhalten gemacht und wieder Vertrauen zu Menschen gefasst.

Vermutlich durch schlechte Erfahrungen und dadurch, dass sie einseitig erblindet ist, hatte sie große Angst.

 

 

 

 

 

LEON
Leon kam über das Tierheim Karlsruhe in seine Pflegestelle und danach in die Obhut des Kaninchenschutz e.V.
Er hat unter anderem mehrere Geschwüre am Körper und inzwischen diagnostizierte weit fortgeschrittene Spondylarthrose an
der Wirbelsäule.

Hier ein Video, wie er den Rücken durchdrückt, wenn er Schmerzen hat

 

Wenn man Leon über den Rücken streichelt, dann kann es sein, das er zwickt.
Dies ist darauf zurück zu führen, dass er Schmerzen hat an der Wirbelsäule, durch die Spondylathrose.
Niemals zwickt er, wenn man ihn am Köpfchen streichelt oder an den Seiten. Er genießt seine Streicheleinheiten sehr und ist extrem menschenbezogen, trotz Allem, was er durchlebt hat.


Er lebte mehrere Monate in einer Vierergruppe, war dort aber restlos überfordert.
Dann wurde seine Spondylarthrose schlimmer und er konnte in dem Kaninchenzimmer, in dem die Gruppe lebte, nicht mehr bleiben, da dort kaum geheizt wird und Leon Wärme braucht.

Er genießt inzwischen den Gnadenstatus vom Kaninchenschutz e.V. und darf bis zum Schluss in seiner Pflegestelle bleiben, bei der er inzwischen seine große Liebe Findi gefunden hat.

 

 

 

 

 

 

Flocki
Flocki kam durch eine Onlineanzeige zu seiner neuen Besitzerin.
Da eine Vergesellschaftung mit dem schon vorhandenen Kaninchen Munchkin scheiterte, mussten sie getrennt gehalten werden.
Flocki kam in einem Käfig in die Küche und hatte unter Aufsicht Auslauf.


Flocki biss seine neue Besitzerin ohne Vorwarnung, so dass sie Angst vor ihm bekam.

Nachdem Munchkin und Flocki für einen neuen Vergesellschaftungsversuch vorübergehend ausziehen mussten, beschäftigte man sich etwas mehr mit Flocki und beschäftigte ihn zusätzlich, damit er nicht mehr einfach beißt,
was auch tatsächlich geglückt ist.

Die Vergesellschaftung ist geglückt und Flocki lebt heute glücklich mit seinem Munchkin zusammen.

 

 

 

 

 

 

Findi
Findi wurde im Tierheim als Fundkaninchen im Jahre 2010 abgegeben.
Auf Grund von Zahnproblemen und Nierenproblemen verblieb sie dort bis August 2014.
Drei Jahre, in denen sie kaum Kontakt zu Menschen hatte, außer beim sauber machen oder der Medikamentengabe.
Findi hatte zwischendurch auch einen Partner, der verstarb, und sie blieb alleine zurück.
Im August 2013 wurde bei ihr ein Herzproblem festgestellt und sie hatte Wasser in der Lunge.
Das Tierheim bat dann um Hilfe und Findi kam in ihre derzeitige Pflegestelle.

 

 

 

 

 

Anfangs wollte sie sich weder anfassen lassen, noch hatte sie Interesse an menschlicher Zuwendung.
Da im Haushalt der Pflegestelle auch Katzen leben, suchte sie eher die Nähe der Katzen.
Allerdings konnten die Katzen nicht allzu viel mit der süßen Wackelnase anfangen.

 

 

 

 

 

Wenn sie dann mal näher kam und man die Hand hinstreckte, fing sie an zu knurren und zwickte auch mal.
Mit viel Geduld und Liebe kam sie nach und nach zum Leckerchen abholen und ließ sich auch mal ganz kurz anfassen.

Im November 2013 gab es einen Partner für Findi und es stellte sich sehr schnell heraus, dass es die große Liebe war zwischen Leon und ihr.

 

 

 

 

 

Da Leon sehr menschenbezogen ist und immer den Kontakt zu Menschen suchte, wurde auch Findi mutiger und nach nicht allzu langer Zeit
schob auch sie das Köpfchen vor, wenn Leon seine Streicheleinheiten bekam.

Findi hat sich unglaublich positiv entwickelt, durch viel Geduld und den richtigen Partner an ihrer Seite.

 

 

Man sieht also an diesen Beispielen, dass viel Geduld, Liebe und ein passender Partner/ eine passende Gruppe das Verhalten eines Kaninchens mit Verhaltensstörungen unglaublich positiv beeinflussen kann.



© Kaninchenraum, Mai 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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