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Traumabewältigung / Traumatherapie bei Kaninchen

in
Verhaltensauffälligkeiten-Verhaltensstörungen bei Kaninchen 12.08.2022 09:09
von Kaninchenraum | 653 Beiträge

Traumabewältigung / Traumatherapie bei Kaninchen

Viele Kaninchen müssen unter schlimmen Bedingungen heranwachsen oder dürfen einen Großteil ihres Lebens nicht kanichengerecht leben.

Sei es durch Massenzucht, viel zu enge Haltung in Boxen / Käfigen, Einsamkeit oder der täglichen Qual, der sie für Forschung in Laboren ausgesetzt sind.
Die kleinen Kaninchenseelen können hiervon ein Leben lang ein Trauma in sich tragen.

Shana war ein Ex Laborkaninchen, welches leider nicht lange bei uns war.
Sie hat mir vieles beigebracht, im Umgang mit traumatisierten Kaninchen.




Traumata bei Kaninchen können jedoch auch entstehen durch einen Sturz (etwa vom Arm herunter), einer Operation, wenn ein Kaninchen gemobbt wurde in einer Gruppe/von einem Partnertier oder auch durch Vergesellschaftungen, welche blutig oder durch sehr aggressives Verhalten endeten.

Kaja kam durch meine Tierärztin zu mir. Sie hatte einen Trümmerbruch erlitten, als sie erst ca. 10 Wochen alt war und sollte eigentlich
eingeschläfert werden. Man kann zum tragischen Hergang nur Vermutungen anstellen, wir gehen aber davon aus, dass sie aus dem Arm gesprungen ist
oder fallen gelassen wurde. Dabei wurden die Knochen der rechten Vorderpfote so schwer verletzt, dass das komplette Beinchen amputiert werden musste.




Traumata bei Kaninchen sind meist handgemacht vom Menschen, ob bewusst oder auch unbewusst.

Ein Trauma, eine verletzte Seele ist nicht auf Anhieb erkennbar und doch vorhanden. Verwundete Seelen erkennen leider auch nicht viele Menschen, da ihnen das Gespür hierfür fehlt.

Durch Tierheime, Tierschutzorganisationen und Tierliebhaber bekommen viele Kaninchen eine 2. Chance auf ein schönes, harmonisches
und artgerechtes Kaninchenleben. Oft übernimmt man ein traumatisiertes Kaninchen, ohne es zu ahnen.

Leider werden Traumata bei Kaninchen noch immer so unglaublich unterschätzt, da Kaninchen im stillen Leiden.

Yuki wurde bei mir in einem sehr schlechten Zustand abgegeben. Er hatte Verletzungen überall, auch an den Augen.
Er hatte viel zu lange Krallen und zu allem Überfluss noch einen Abszess am Kiefer durch Zahnprobleme.
Gemeinsam mit meiner Tierärztin habe ich damals beschlossen während der Zahnoperation Yuki gehen zu lassen, da
sein Kiefer währenddessen brach.




Durch meine Erfahrungen mit traumatisierten Kaninchen glaube ich nicht mehr daran, dass Kaninchen ihr Leid vergessen. Es ist eher so, dass sie es mit der Zeit vermutlich verdrängen, sich dem neuen Leben anpassen und sich zum Glück am neuen Leben erfreuen können.
Kaninchen sind nicht nachtragend im eigentlichen Sinn, sie gehen ganz anders mich schlechten Erfahrungen um, als wir Menschen.

Viele Kaninchen die in meine Obhut gekommen sind, hatten bereits auf unterschiedlichste Art ein Trauma erlitten.
Jedes Kaninchen hatte seine eigene Geschichte, seine eigene Art mit der Vergangenheit und seinen Erlebnissen umzugehen.
Kaninchen leben zwar nicht in der Vergangenheit, jedoch bleibt Angst und Skepsis gegenüber Menschen, anderen Kaninchen oder auch anderen Tierarten manchmal für immer bestehen.
Vor allem, wenn ein Trauma zu tief sitzt, wie zum Beispiel bei Laborkaninchen oder vernachlässigten Kaninchen.

Wie kann man ein Trauma bei einem Kaninchen erkennen?

Kaninchen leiden von Natur aus still und zeigen daher in vielen Fällen nicht unbedingt sichtbare Verhaltensauffälligkeiten.
Manche Kaninchen sind extrem ängstlich, ziehen sich zurück oder gehen vor Angst buchstäblich "die Wände hoch".
Andere zeigen durch Aggression, dass ihre kleine Seele ein Trauma erlitten hat.
Aber auch stetiges Klopfen mit den Hinterfüßen, verfallen in eine Art Angststarre (zum Beispiel wenn man ein Kaninchen streichelt, welches nicht gestreichelt werden möchte und es dies trotzdem über sich ergehen lässt) können ein Anzeichen von einem Trauma sein.

Leider werden gerade "angriffsslustige" Kaninchen als nicht vergesellschaftungsfähig abgestempelt.
Dabei leidet einzig ihre kleine Seele an einem Trauma.

Schaut man einem Kaninchen richtig in ihr Gesichtchen und in die Augen, kann man es erkennen.

Wie kann man Kaninchen mit einem Trauma unterstützen?

Zeit, viel Geduld und ein ruhiger Umgang mit Traumakaninchen stehen hier an allererster Stelle.
Grundsätzlich ist Hektik im Umgang mit Kaninchen vollkommen fehl am Platz, denn nur in der Ruhe liegt die Kraft.
Niemals sollte man bei Kaninchen etwas mit Gewalt durchsetzen.
Vertrauen muss man sich erarbeiten.
Einzelfälle wie Tierarztbesuche oder Gesundheitskontrolle sind natürlich ausgenommen. Hier kann man auf jeden Fall daran arbeiten, den Stress für das betroffene Kaninchen auf ein Minimum zu reduzieren.

Ich rede immer ruhig mit den Kaninchen.
Bei der Fütterung setze ich mich in das Zimmer oder das Gehege (wenn die Angst oder aggressives Verhalten noch zu groß sind, anfangs erst einmal davor).
Ich versuche immer über Futter / Leckerchen das Vertrauen der Kaninchen zu gewinnen.
Ich habe mir täglich ein Buch genommen und mich zu dem Kaninchen gesetzt und gelesen (manchmal auch leise vor mich hin gesprochen), damit es sich an meine Anwesenheit und auch die Stimme gewöhnt.

Es gibt Kaninchen, da dauerte es mehrere Wochen, bis die ersten Erfolge zu verzeichnen waren.
Weiter brauchen traumatisierte Kaninchen feste Rituale.
Daher füttere ich so weit es möglich ist um die gleiche Uhrzeit.

Als meine Ex-Laboridame Anouk sich nach sehr vielen Wochen ein Leckerchen aus meiner Hand genommen hat oder ich ihr das erste Mal ganz leicht über ihren Kopf streicheln durfte, war das für mich ein unglaublich emotionales Gefühl, was mir die Tränen in die Augen trieb.

Man sieht Anouk die Skepsis allerdings an, wenn man genau hin schaut.



Wichtig sind zusätzlich mindestens ein weiteres Kaninchen und ordentlich viel Platz.

Auch hier gilt, dass nur in Ausnahmefällen bei sehr kranken Kaninchen, bei denen die Genesung im Vordergrund steht, erst einmal das Kaninchen wieder gesund oder zumindest vergesellschaftungsfähig sein sollte. Außerdem ist es sehr wichtig, ein Partnertier zu finden, was den Bedürfnissen eines Kaninchens welches ein Trauma durchleben musste entspricht.
Denn so vermeidet man, dass Zusammenführungen schief gehen und Kaninchen nebeneinander her leben.
Einzelhaltung ist bei traumatisierten Kaninchen oder Handicapkaninchen auf Dauer ebenso indiskutabel, wie bei gesunden Kaninchen.

Viele Tierärzte, Züchter oder andere Kaninchenhalter raten gerne mal davon ab, Kaninchen zu vergesellschaften, die ein Handicap haben, krank oder auch schon sehr alt sind.
Aus eigener Erfahrung möchte ich aber richtig stellen, dass in den meisten Fällen von normalen (gesunde Kaninchen und oder Gruppenzusammenführugen die Rede ist.

Sucht man ein wirklich passendes Kaninchen mit gleiches Symptomatik oder gleichem Handicap und passt die Vergesellschaftung den Kaninchen an, so so ist es ein großer Vorteil für das betroffene Kaninchen, wenn es einen Kuschelpartner an seiner Seite hat.
Denn wie heißt es doch so schön: "Liebe verbindet".

Ein Partnertier kann zwar kein Krankheit heilen, jedoch ganz sicher Ängste lindern.



Persönlich bin ich bei traumatisierten Kaninchen und Handicapkaninchen kein Freund von Gruppenvergesellschaftungen, da mehr Kaninchen auch mehr Stress bedeutet. Stress ist ein Auslöser für viele Krankheiten und Problemen zwischen Kaninchen.
Man muss bitte immer auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Kaninchens achten.

Stressfreier Umgang mit traumatisierten Kaninchen?

Wenn man ein Kaninchen hoch hebt, bedeutet dies Stress für das Tier. Selbstverständlich ist dies in Einzelfällen notwendig, damit man den Gesundheitszustand kontrollieren kann. Jedoch sollte man immer versuchen, alles so stressfrei wie nur irgend möglich für die Kaninchen zu gestalten.
Persönlich setze ich mich grundsätzlich auf den Boden, wenn ich den Gesundheitszustand eins Kaninchens kontrolliere. Hier ist somit schon einmal gewährleistet, dass das Kaninchen nicht irgendwo herunter fallen kann, wenn es mir tatsächlich einmal aus den Händen rutschen sollte oder sich frei strampelt.
Weiter glaube ich, dass das Kaninchen hierdurch zumindest etwas weniger Stress hat, da Höhe für Kaninchen beängstigend sein kann. Kaninchen können bei Angst Höhe keinesfalls richtig einschätzen und springen einfach runter. Dabei kommt es zu sehr schlimmen Verletzungen.

Um bei traumatisierenden Kaninchen helfen zu können muss man Feingefühl haben und sollte die Vergangenheit ruhen lassen, damit man ihnen den Weg in eine neue Zukunft erleichtert.. Jedes Kaninchen ist anders und spricht somit unterschiedlich "schnell" auf eine Traumatherapie an.

Manchmal ist das für uns Menschen sicherlich einfacher, wenn wir nicht wissen, was unsere Kaninchen schlimmes erlebt haben, damit
man nicht dauernd Mitleid empfindet, sondern nach vorne schaut und den Rest ihres Lebens so schön und stressfrei wie nur irgend möglich gestaltet.

Wenn man die Vorgeschichte eines Kaninchens kennt, wie zum Beispiel wenn man ein Kaninchen aus einem Labor auf nimmt, dann muss man dem Kaninchen zuliebe versuchen, ihm nicht dauernd Mitleid entgegen zu bringen.

Kaninchen sind sehr feinfühlige Lebewesen und spüren, wenn einen etwas Sorge bereitet.

Als Flocki damals zu mir kam, war er ein sehr verstörtes und verängstigtes Kaninchen. Er knurrte, wenn ich nur in die Nähe kam.
Wenn ich das Gehege betrat, biss er mir in die Füße oder Hände, was er gerade erwischte.
Er schlug mir die Wasser- oder Futterschüssel mit seinen Vorderpfoten aus der Hand, wenn ich es auf den Boden stellte und benahm sich richtig Rüpelhaft.
Kaninchen werden nicht bösartig geboren, sie werden durch Menschenhand und die Umstände in den sie leben so geprägt.

Nach einiger Zeit in der ich mit Flocki gearbeitet habe, entwickelte er sich zu einem richtigen Schmusekaninchen, der meine Nähe
suchte und Streicheleinheiten einforderte.




Medikamentengabe bei traumatisierten Kaninchen?

Die Medikamentengabe sollte bei Traumakaninchen ebenfalls schnell und effektiv stattfinden.
Anstatt das Kaninchen immer wieder auf den Arm nehmen zu müssen kann man daher versuchen, die Medikamente in einem Leckerchen zu verabreichen.
Wichtig ist, dass das komplette Leckerchen gefressen und das Medikament in der vollen Dosierung vom Kaninchen aufgenommen wird.

Hier gibt es Tipps und Tricks zum Thema Stressfreie Medikamentengabe bei Kaninchen




* Unterstützung durch eine Tierheilpraxis
Unterstützend sollte man mit einer Tierheilpraktiker/in seines Vertrauens, bei mir ist dies Stefanie Schult, zum Beispiel mit Bachblüten arbeiten. Diese zusätzliche Unterstützung hilft den Kaninchen von innen heraus ein vorhandenes Trauma zu verarbeiten oder gar zu überwinden.


Gerne stehe ich bei Fragen zum Thema traumatisierte Kaninchen zur Verfügung und helfe, damit sie wieder Vertrauen fassen können.

© Kaninchenraum, August 2022


Bei Fragen wende dich gerne über Kontakt / Erreichbarkeit an mich.

ಌ Herzliche Grüße ಌ
Tanja


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zuletzt bearbeitet 13.09.2022 14:31 | nach oben springen

#2

RE: Traumabewältigung / Traumatherapie bei Kaninchen

in
Verhaltensauffälligkeiten-Verhaltensstörungen bei Kaninchen 12.08.2022 09:13
von Kaninchenraum | 653 Beiträge

*Gemütserkrankungen und Trauma-Therapie by Stefanie Schult, im Juni 2017

Wir alle wünschen uns ein immer zufriedenes und ausgeglichenes Tier, dem es rundherum gut geht.
Doch leider ist das Leben nicht immer so. Manchmal treffen auch unser Tier plötzliche Ereignisse, die es aus der Bahn werfen. Ob Silvesterknallerei oder ein Tierarztbesuch, der dem Vierbeiner in den Knochen steckt, all das kann auf sein Gemüt schlagen.
Viele Tiere kommen aus dem Tierschutz, aus Animal Hording oder sind Laborkaninchen gewesen. Manchmal reicht auch schon ein Ereignis in einem sonst tollen Leben, um das Kaninchen zu traumatisieren.

Bei jedem Tier, auch bei Kaninchen, ist es so, dass es im hier und jetzt lebt. Menschliche Reflexionen über die Ereignisse der Vergangenheit sind ihnen fremd. Sie können diese nicht bewerten und damit verarbeiten, wie es uns Menschen gegeben ist.
Das macht eine Therapie für traumatisierte Tiere umso anspruchsvoller, da sie ja nicht sagen können wo es hakt. Es braucht uns als Tierbesitzer, um den Ereignissen aus Vergangenheit auf die Spur zu kommen.
Leider ist es in der tierischen Therapie oft noch unterschätzt oder wird auf Grund seiner nicht eindeutigen Zuordnung weggelassen. Hier liegt natürlich auch die größte Fehlerquelle in einer Fallaufnahme. Was ist Interpretation des Tierbesitzers, was muss ich als Therapeutin herausfiltern. Je besser sich ein Tierbesitzer mit den Bedürfnissen und natürlichen Verhaltensweisen seines Schützlings auskennt, umso eher kann er selber beurteilen, wo wir ansetzen sollten. Für uns Therapeuten ist deshalb die Ethologie (Herkunft) jeder Tierart wichtig. Diese muss immer in die Fallbewertung einbezogen werden.
Ein Beispiel:
Zwei Kaninchen leben im Gehege in Außenhaltung, werden gut versorgt und sind den ganzen Tag draußen, können Haken schlagen und ihr natürliches Leben genießen.
Dann, eines Nachts, ein Angriff, eines der Tiere wird getötet, eines schwer verletzt

Die Tierbesitzer kümmern sich umgehend um die Verletzung, alles heilt prima ab, aber das Kaninchen ist jetzt ein echter „Angsthase“ geworden. Ist das jetzt Fluchttierverhalten und normal oder ist es etwas, was wir behandeln können und sollten?
Wenn jetzt sofort auf der Gemütsebene eingegriffen wird, lässt sich der Vorfall vermutlich schnell auflösen. Was aber wenn das Kaninchen zusätzlich aggressiv wird, seine Besitzer beißt, sich einfach nicht mehr händeln lässt? Tierschutz, Wanderpokal, irgendwo ein zu Hause, wo keiner seine Geschichte so genau mehr kennt. Da beginnt dann die detektivische Arbeit von uns Tiertherapeuten.
Ich suche immer nach der Causa, dem Grund für die Symptome. Und besonders wichtig ist er für mich dann, wenn das Tier Krankheiten entwickelt hat, die schulmedizinisch diagnostiziert werden, die aber stagnieren oder wiederkehren. Ein Trauma kann beim Kaninchen genauso viel Schaden an der Seele anrichten, wie bei uns Menschen. Nur beim Kaninchen achtet so richtig niemand darauf.

Nun haben wir das Glück, dass oft Liebe und Geborgenheit ausreichen, um einem traumatisierten Tier auf die Pfoten zu helfen, manchmal jedoch nicht und hier haben ich mit den Bachblüten und Homöopathie wertvolle Helfer.

Der Erfolg einer Therapie hängt von einigen Faktoren ab, zu denen maßgeblich Sie als Tierbesitzer beitragen. Im Rahmen einer Behandlung sind Sie mein wichtigster Begleiter. Wenn Sie mehr erfahren möchten, sprechen Sie mich gerne an, ich stehe Ihnen gerne für Fragen zu diesem Spezialthema zu Verfügung.


Bei Fragen wende dich gerne über Kontakt / Erreichbarkeit an mich.

ಌ Herzliche Grüße ಌ
Tanja


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